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Michael Wittmann
Hauptsturmführer der Waffen-SS

Michael Wittmann

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Daten

* 20. April 1914 in Vogelthal/Oberpfalz
† 08. August 1944 in südl. von Caen/Westfront

Auszeichnungen

Auszeichnung Datum
Ritterkreuz  14. Januar 1944
Eichenlaub (380)30. Januar 1944
Schwerter(071)22. Juni 1944

Verdienste

Der erfolgreichste Panzerkommandant des Krieges - Biografie

Als er während der Invasionsschlacht mit der zweithöchsten Tapferkeitsauszeichnung dekoriert wurde, war Obersturmführer Wittmann innerhalb des Heeres der rangniedrigste Träger dieser Auszeichnung. Mit einer nur 161tägigen Zeitspanne zwischen Ritterkreuz und Schwertern hielt der herausragende Panzerkommandant außerdem den diesbezüglichen Rekord innerhalb des Heeres!

Michael Wittmann trat 1934 ins Infanterieregiment 19 ein und wechselte 1937 als Unteroffizier in die SS-Verfügungstruppe. Nach einer harten Auslese wurde der Sohn eines Landwirtes in die Elite-SS-"Leibstandarte" des späteren Brillantenträgers Josef Dietrich aufgenommen. Den Polen- und Frankreichfeldzug erlebte Unterscharführer Wittmann als Angehöriger der Spähpanzerabteilung und kämpfte bei Rotterdam, Dünkirchen, an der Somme, der Marne sowie in Flandern. Als die Division für den Balkanfeldzug mit schwererem Gerät ausgestattet wurde, übernahm Wittmann ein Sturmgeschütz und erhielt in Folge für seine Leistungen das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Als im Juni 1941 der Krieg im Osten begann, gehörte die SS-"Leibstandarte" zu den Stoßkeilen der Heeresgruppe Süd. Bereits in seinen ersten Gefechten konnte Wittmann sechs russische Panzer abschießen und die Grenadiere seiner Division effektiv unterstützen. Nach schnellen Offensiven gegen die 6. sowjetische Armee und großen Erfolgen bei Uman erreichte die Division Rostow, wo Wittmann in den schweren Panzergefechten zweimal hintereinander verwundet wurde (Arm, Schulter). Für seine Erfolge als Panzerkommandant erhielt er schon bald das Eiserne Kreuz 1. Klasse überreicht. Als ihn sein Kommandeur noch am Gefechtsfeld fragte, ob er als Belohnung für das EK.I noch einen Wunsch habe, bat Wittmann, drei verwundete Russen von einem nahegelegenen Hügel abtransportieren zu lassen, den die deutschen Sanis wegen Feindbeschuss bisher nicht gesäubert hatten. Der Kommandeur stimmte zu.

Im Kampf gegen sowjetische Panzer konnte sich der stets tapfer und überlegt angreifende Oberscharführer (09.11.41) Wittmann auf eine ihm treu ergebene und eingespielte Besatzung sowie die Überlegenheit seines Kampfpanzers verlassen. Obwohl (anfangs) in Feuerkraft, Panzerung und Ausbildung meist unterlegen, bedeuteten die russischen Panzer aufgrund ihrer großen Anzahl eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Waren anfangs schwächere Modelle wie der unbewegliche T-35 oder der unterbewaffnete T-26 die Standardmodelle der Roten Armee, tauchten bereits Ende 1941 die ersten T-34 in den Frontverbänden auf. Diese schwerbewaffneten und wendigen Panzer waren ein ernstzunehmender Gegner. Die 1943/44 gebauten JS-1 oder T-85 konnten sich sogar bereits mit einem deutschen Tiger messen.

Ebenfalls nicht auf die leichte Schulter zu nehmen waren die allgegenwärtigen Panzerabwehrgeschütze des Gegners.

Für Tapferkeit im Gefecht zum Untersturmführer (21.12.42) ernannt (Kriegsoffizier), nahm Wittmann in der 13. Kompanie des SS-Panzerregiments 1 an unzähligen Abwehr- und Offensivschlachten des Jahres 1943 teil. Zu dieser Zeit waren die Panzerregimenter der Division teilweise bereits mit dem berüchtigten Panzerkampfwagen VI, genannt Tiger, ausgerüstet.

Dieses 55 Tonnen schwere Ungetüm war mit 20 km/h (700 PS) im Feld schnell und beweglich, verfügte über eine auf bis zu 2000 Metern(!) treffsichere 8,8-cm-Kanone mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 810 Metern/Sekunde und war bis zu 110 Millimeter stark gepanzert!

Bei Bjelgorod, Prochorowka und Charkow konnte Wittmann mit seinem Tiger an mehreren Tagen je bis zu 15 Feindpanzer abschießen! Einmal gelangen ihm während einer heftigen Panzerschlacht sogar nicht weniger als 30 Panzer- und 28 Pak-Abschüsse!! Diese Erfolge wurden ähnlich genau gezählt wie die Siege eines Jagdfliegers und mit weißen Abschussringen am Panzerrohr vermerkt. Wittmann zeichnete sich immer wieder durch große Übersicht im Gefecht und überdurchschnittliches panzertaktisches Können aus.

Während seines Einsatzes bei Kiew und Brussilov konnte Wittmann seine Vorgesetzten abermals durch brillante Kampfführung und Tapferkeit im Gefecht überzeugen. Als er im Jänner 1944 bei 66 Panzerabschüssen angelangt war, erhielt er das seit langem fällige Ritterkreuz verliehen, am Vortag war er sogar namentlich im Wehrmachtsbericht genannt worden!

Seine Besatzung trug zu dieser Zeit bereits geschlossen das Eiserne Kreuz 1. Klasse und das Panzerkampfabzeichen in Silber. Sein Richtschütze Oberscharführer Balthasar Woll erhielt später für seinen Anteil an Wittmanns Erfolgen ebenfalls, und zwar als einziger Panzerrichtschütze des Krieges(!), das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen. Woll fungierte wenig später übrigens auch als Wittmanns Trauzeuge.

Wenige Wochen nach Wittmann wurde auch dessen Kompaniechef, Hauptsturmführer Kling, mit dem Ritterkreuz beliehen.

Kurz nach der Verleihung an Wittmann wurde die Division bei Sherepki in unerwartet heftige Gefechte verwickelt. Von mehreren russischen Panzerbrigaden attackiert, rückten alle verfügbaren Tiger ins Gefecht ab. Am 13. Jänner 1944 trat die ausgezeichnete 13. Kompanie, darunter der "Zug Wittmann" zum Gegenangriff an. Bereits nach wenigen Minuten brannten zehn russische Panzer! Als Wittmann am Mittag des 14.01.44 seinen bereits 16. Panzer in Folge vernichtete, reichte ihn sein Divisionskommandeur Brigadeführer Wisch mit Nachdruck zum Eichenlaub ein - so erhielt der junge Panzerkommandeur nur 17 Tage nach dem Ritterkreuz nun auch die nächsthöhere Stufe verliehen!

Aufgrund seiner großen Verdienste und seiner umsichtigen Führungseigenschaften übernahm Wittmann im Frühjahr 1944 die 2. Kompanie der schweren SS-Panzerabteilung 501. Einer seiner direkten Vorgesetzten war nun der hochdekorierte Obersturmbannführer Jochen Peiper, einer der bekanntesten Offiziere der Division.

Die Tiger der Abteilung konnten sich im Verband der SS-"Leibstandarte" besonders während den Schlachten im Raum Kamenez-Podolsk auszeichnen - hier erzielte Obersturmführer (30.01.44) Wittmann wenig später seinen 100. Panzerabschuss an der Ostfront! Hinter dem Schlachtflieger Major Rudel war Wittmann nun bereits der erfolgreichste "Panzertöter" der Wehrmacht!

Als im Juni 1944 alliierte Truppen in der Normandie landeten, lag die "Leibstandarte" zusammen mit der SS-"Das Reich" zur Auffrischung in Frankreich. Am 13. Juni trat die Division zum Angriff an. Dieser Tag sollte der vielleicht größte von Michael Wittmann werden.

An diesem 13.06. stieß die aus Nordafrika berühmte 7. britische Panzerdivision im Gebiet von Villers-Bocage in Richtung der linken Caen-Flanke vor. Die Vorhut bildete die kampferprobte 22. Panzerbrigade sowie ein Panzergrenadierbataillon. Wittmanns Tiger stand gut getarnt unmittelbar neben der Vormarschstraße in einem Waldstück. Ruhig und selbstsicher wie eh und je wartete der Panzerkommandant auf den richtigen Moment anzugreifen - und zwar ohne jegliche Unterstützung, denn dafür war keine Zeit mehr!

Als die feindliche Kolonne auf der Höhe des Tigers war, eröffnete Wittmann aus etwa 80 Metern Entfernung das Feuer - der erste britische Schützenpanzer explodierte in einer Feuersäule. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Wittmann preschte aus seinem Versteck hervor, schwenkte auf die Straße und feuerte in kurzen Abständen Granate um Granate gegen die aufgefädelten Fahrzeuge und Panzer! Während sein routinierter Ladeschütze immer wieder blitzschnell nachlud, belegte der MG-Schütze die britischen Grenadiere mit Dauerfeuer.

Durch den Überraschungseffekt völlig überrumpelt, erwiderten die britischen Begleitpanzer erst spät das Feuer - die starke Panzerung des Tigers und seine schnellen Manöver verhinderten aber gefechtsentscheidende Schäden. Als sich Wittmann schließlich zurückzog, standen 25 britische Panzer, Lastwagen und Spähfahrzeuge ausgebrannt auf der Straße! Die schwer angeschlagene britische Brigade kehrte zur Division zurück - deren Kommandeur wollte es anfangs gar nicht glauben, dass die deutsche "Angriffsmacht" aus nur einem einzigen(!) Tiger bestanden hatte.

Als Wittmann - nun bereits von weiteren Tigern verstärkt - nach diesem Gefecht in Richtung der Ortschaft fuhr, erhielt sein Tiger einen schweren Pak-Treffer in die Kette. Er und seine Mannschaft gaben den bewegungsunfähigen Panzer auf und schlugen sich - quer durchs Gefechtsfeld - 15 Kilometer bis zur südlich stehenden Panzerlehrdivision (Bayerlein) durch. Ohne Pause führte Wittmann danach sofort eine Panzerabteilung nach Villers-Bocage und stopfte die noch offene Frontlücke.

Nachrückende Infanterieeinheiten konnten am Schauplatz des Panzergefechtes insgesamt 230, meist verwundete, britische Soldaten gefangennehmen.

Der angesehene amerikanische Militärhistoriker und Kriegsveteran Charles E. White bezeichnete Wittmanns Angriff bei Villers-Bocage Jahre nach dem Krieg als "eine der beeindruckendsten Heldentaten des gesamten Krieges".

Für die Abwehr des für die gesamte Caen-Front gefährlichen Panzerangriffes sowie insgesamt 131 Panzer- und 132 Pak-Abschüsse reichten die Division und das Korps Wittmann mit Nachdruck für die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ein. Am 22. Juni 1944 erhielt der Obersturmführer die Auszeichnung als 71. Soldat und einziger Panzerkommandant der Wehrmacht verliehen. Gleichzeitig wurde er für Tapferkeit vor dem Feind zum Hauptsturmführer befördert. Diese Schwerterverleihung war die erste von insgesamt neun an der Invasionsfront.

Die nun von höchster Stelle angebotene Lehrverwendung an einer Panzertruppenschule lehnte Wittmann jedoch ab und kehrte unmittelbar später zu seinem Elite-Regiment zurück.

Am 8. August 1944 führte Michael Wittmann einige Tiger zum Angriff gegen amerikanische Stellungen bei Cintheaux. Nach einem Fernduell mit einigen Feindpanzern fuhr Wittmann, aus allen Rohren feuernd, einem in der Flanke auftauchenden Sherman-Rudel des 1. Nordhampshire Garderegiments entgegen. Dann verloren ihn die anderen Tiger-Kommandanten aus den Augen. Als er sich am Abend des Tages noch immer nicht zurückgemeldet hatte, schickte die Division einen Suchtrupp los.

Man fand Wittmanns Tiger inmitten einer Reihe ausgebrannter Feindpanzer. Er war nach einem kurzen Feuergefecht mit den britischen Shermans weiter nach Norden vorgestoßen und nach Überquerung einer Hügelkette mitten in eine feindliche Übermacht hineingefahren.

Von drei Seiten eingeschlossen, wurde sein Tiger nach heftiger Gegenwehr schließlich völlig zusammengeschossen! Kein Mitglied der hochdekorierten Besatzung überlebte diesen Einsatz. Einige seiner Kameraden meinten später, dass der Tiger vorher oder nachher auch noch von einer mit Bordraketen bestückten "Typhoon" (brit. Jagdbomber) angegriffen worden sein könnte. Inklusive seiner großen Erfolge an der Westfront hatte Hauptsturmführer Wittmann 138 Feindpanzer und 132 Pak-Geschütze abgeschossen!

Im Jahre 1983 wurden Wittmann und seine Besatzung aus ihrem Soldatengrab exhumiert und auf dem Soldatenfriedhof La Cambe beigesetzt.

Anmerkung des Autors:
Trotz seiner großen Erfolge in Russland 1941/43 dürfte keine Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold erfolgt sein. Das ausgewiesene Panzerkampfabzeichen in Gold ist nicht amtlich bestätigt.

Quelle: "Mit Eichenlaub und Schwertern" von Florian Berger, ritterkreuz.at

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Quelle: www.Panzer-Archiv.de - Alles über die stählernen Giganten im Zweiten Weltkrieg.
URL dieser Seite: http://www.panzer-archiv.de/content/personen.php?id=2
Gedruckt am: Dienstag, 16. September 2014, 04:53 Uhr
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